Autotest

Ford Focus ST – Seat Leon 2.0 TFSI Test

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Der 20-Ventiler stapelt schon auf tiefem Drehzahlniveau einen hohen Berg Drehmoment: 320 Nm zwischen 1.600 und 4.000/min. 6,8 Sekunden vergehen bis 100. Auch im sechsten Gang jenseits der 200 km/h hat der Schub kein Ende. Die maximal 241 km/h gehen dem ST stressfreier von der Hand, als das stressende Knallorange (1.200 €) erwarten lässt.

Ford Focus ST, Test
Von stillerem und unauffälligerem Charakter, aber mit ähnlicher Effektivität nimmt der Leon 2.0 TFSi die Straße unter die Räder: 221 km/h Spitze, 7,8 Sekunden von Null bis 100 km/h, den stehenden Kilometer in 28,4 Sekunden. Im Hintergrund fast allzeit ein extrem breiter Drehmoment-Tafelberg (270 Nm von 1.800 bis 5.000/min). Gleichmäßig und geschmeidig hängt der 16-Ventiler am Kraftfluss, spontan nimmt er Gas an. Mit Turbolöchern und verzögertem Antritt hat dieser Motor nichts mehr zu schaffen.

Der zweite Gang erklimmt, sportlich, die 100 km/h-Markierung. Die sechs Gänge wechseln, im Gegensatz zum Ford, wo sich der Schalt-Sechs etwas samtiger anfühlt, fast widerstandsfrei. Die Schaltanschlüsse passen, die Schaltgassen sind kurz, das Schaltgetriebe ist so präzise wie im Ford.

Seiner sanften Tonalität im Normdrehbereich und sachte heiseren Kehligkeit bei hoher Drehzahl lässt der TFSI beim Gaswegnehmen aus hoher Drehzahl maximal ein, auch dem Focus ST eigenes, tiefes Blubbern im relativ grazilen Endrohrduo folgen. Eine klar vernunftbegabtere Geräuschkulisse als im Ford – aber was zählt hier Vernunft?

Seat Leon 2.0 Innenraum, Cockpit

Ford Focus ST, Innenraum, Cockpit

Schon die dick gepolsterten, bequemen Sportledersitze (Teilleder, Sitzflächenverlängerung und Sitzheizung vorne: +1.950 €) steuern ihren Teil bei zum Komforteindruck. Das viel Leben zulassende ST-Sportfahrwerk (Serie) überrascht, weniger polternd als der Seat, mit akzeptabler Härte.

Wogegen die Vorlieben des Leon ganz eindeutig nicht tiefe Schlaglöcher oder ausgeprägte Fahrbahnfugen bilden – zumindest mit dem Sportfahrwerk (optional). Mancher wünscht sich auch etwas mehr Lenkwiderstand. In flotten Kurven ist der Leon jedoch ein Überzeugungstäter – hart, aber haftend, höchst gravitativ, mit unzweideutiger Rückmeldung.

Der stoische Geradeauslauf des Leon ist dem Focus nicht eigen. Der ST verlangt seinem Fahrer mit hohem Lenkkorrekturbedarf, einem deutlich an der Steuereinheit zupfendem Motor und einem weit ausholendem Wendekreis (11,7 m) merklich mehr an Lenk- und Korrekturarbeit am dicken, extrem griffigen Volant ab.

Hier wie dort geht die Bedienung eindeutige Pfade. Aufreizend wenige Schalter reichen im Seat. Die puristisch-schlichte Instrumenten- und Konsolenlandschaft zeugt von italienischer Vaterschaft (Design: Walter de Silva).

Genauso modern: Das Fach unter dem Fahrersitz, ein geräumiges Handschuhfach, aber sonst kaum Ablagen. Die 12 Volt-Steckdose scheint auf der Mittelkonsole viel gescheiter platziert als der offen daniederliegende ESP-Schalter.

Eine im sportlichen Fahrzeug durchaus sinnhafte Öltemperaturanzeige, die der Ford neben Öl- und Ladedruckanzeige besitzt, fehlt.

Ford Focus ST Cockpit, ArmaturenbrettSeat Leon, Cockpit, Armaturenbrett

Die Unpässlichkeiten der Moderne lassen sich ebenso im Ford aufspüren: Das Handschuhfach des Focus hat zwar eine große Klappe, aber nicht viel dahinter – schon ein DIN A5-Block ist zuviel.

Die Belüftungsreglung der Klimaanlage über Bedienknöpfe (Intensität) und das Touchscreen (Temperatur) scheint nicht gerade ideal –  ist jedoch nur anzukreiden, wenn das Ford DVD-Navigationssystem mit Farbdisplay (3.020 €, inklusive Klimaautomatik) bestellt wurde. Das gescheite Geheimfach auf dem Armaturenbrett im normalen Focus ersetzt im ST ein Kontrolltrio für Öl-, Ladedruck und Öltemperatur.

Weitere Charaktermerkmale des ST: Applikationen in Aluoptik an Pedalen, Lenkrad, Handbremshebel, Schaltknauf, Türgriffen und Schwellern.

Dezenter im Auftritt und näher am Alltag als der Ford ist nur dieser Leon in der 2.0 TFSI-Variante. Mit dem neuen Leon Cupra erwächst dem Focus ST auch motorisch ein echter Konkurrent: 240 PS stark, fast 250 km/h schnell und zu einem ähnlich attraktiven Preis. Frage ist also: noch warten oder schon kaufen? Soviel kann man schon raten: Beides keine schlechte Idee. (2004)

Seat Leon im Test

Ford Focus im Test

Weitere Informationen

https://www.ford.de/

https://www.seat.de/

 

 

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