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Lexus ES 300h Test: Sparsam wie ein Diesel?

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Ist der Lexus ES die sparsame Alternative? Der Hybrid Lexus ES glänzt nicht nur im Verbrauch – Test Lexus ES 300h.

Lexus ES Hybrid 300h TestSeite und Heck Lexus ES Hybrid 300h

Erster Eindruck im Test

Mit seiner Länge von fast fünf Metern und seinem Preis von fast 50.000 Euro präsentiert sich der Lexus ES im gehobenen Segment der oberen Mittelklasse, die von der süddeutschen Fraktion – Audi, BMW und Mercedes – dominiert wird.

Von der hebt sich die Lexus Limousine im Auftritt ab. Der ES beginnt mit seinem expressivem Kühlergrill imposant,  duckt sich sportiv in 1,45 Meter Tiefe ab um am 1,87 Meter breiten Heck markant zu enden.

Der gediegene Auftritt der Limousine setzt sich im Cockpit fort. Das Ambiente ist gehoben und die Verarbeitung hochwertig. Die digitalen Zeigerinstrumente zeigen so gestochen scharf an wie der üppige 12,3-Zoll-Bildschirm. Zumeist blickt man auf die große Projektion des Head-up-Display auf der Frontscheibe. Die umfasst auch die Charge-Rekuperations-Anzeige und lässt sich auch bei Sonneneinstrahlung gut ablesen.

Armarturenbrett und Lenkrad im Lexus ES Hybrid 300hMark Levinson Soundystem im Lexus ES Hybrid 300hev mode Lexus ES Hybrid 300h

Was sagt der Hersteller über den Lexus ES?

Diese Technologie wurde in Großserie weltweit erstmals im Oktober 2018 eingesetzt – zunächst in Japan und nun auch in Deutschland. Der Lexus ES besitzt sie, wenn man in der Ausstattungslinie Luxury Line 2.000 Euro zuzahlt: digitale statt der konventionellen Außenspiegel

Die digitalen Außenspiegel verbessern die Sicht auf den Bereich hinter und unmittelbar neben dem Fahrzeug. Dank der automatischen Weitwinkelfunktion wird auch das Abbiegen und Rückwärtsfahren deutlich sicherer.

Die beiden 5-Zoll-Farbmonitore sind im Innenraum auf derselben Höhe positioniert, wo sich sonst die Außenspiegel befinden. Die Außengehäuse der Kameras wurden im Vergleich zu normalen Außenspiegelgehäusen deutlich verkleinert. Und was sieht man bei schlechter Witterung? Auch gut, denn bei frostigem Wetter werden die Kameras durch Aktivierung des Heckscheibenenteisers beheizt.

Sitz Lexus ES Hybrid 300h12V 120W hinten Lexus ES Hybrid 300hBeiges Leder der Sitzbank im Lexus ES Hybrid 300h

Was sagen die Mitfahrer im Test über den Lexus ES?

Es spielt der Optik in die Karten, aber nicht der Kopffreiheit im Fond – Das Dach senkt sich oberhalb der Rückbank am Hinterteil der Karosse ab. Mit 1,90 Meter touchiert der Kopf leicht den Dachhimmel und beim Aussteigen heißt es den Kopf einziehen. Das betrifft allerdings nur sehr große Erwachsene. Anders gewachsene freuen sich im Lexus ES über reichlich Beinfreiheit und die bequeme Mitfahrt auf der Rückbank.

Und das Gepäck? Der Kofferraum fällt tief und am Karosserieabschluss breit aus. Mit 454 Liter bietet er zwar weniger Kofferraumvolumen als Limousinen mit konventionellem Antrieb, aber mehr als die Hybrid und Plug-in-Hybrid-Limousinen der Konkurrenz. Zum Vergleich: Im Kofferraum des BMW 530e kommen 410 Liter, im Mercedes 300e 4MATIC 370 Liter und im Audi A6 50 TFSI e lediglich 360 Liter unter.

Lexus ES Hybrid 300h HeckleuchtenKofferraum Lexus ES Hybrid 300h

Eine umklappbare Sitzbank, wie in der Toyota Camry Limousine (Test Toyota Camry), spart sich die Lexus ES Limousine allerdings. Die Zuladung liegt, abhängig von der Ausstattung, zwischen 410 bis 470 Kilogramm.

Und die Ausstattung? Bereits das Einstiegsmodell steht für Luxus im Lexus mit der 2-Zonen-Klimaautomatik, der Sitzheizung in den Vordersitzen und dem Soundsystem mit 10 Lautsprechern. Die Sicherheit wird groß geschrieben mit dem Pre-Crash-System samt Fußgängererkennung, dem adaptiven Tempomat mit Stop&Go-Funktion, der Verkehrszeichenerkennung, dem Spurverlassenswarner und den ebenfalls serienmäßigen LED-Scheinwerfern.

Im Executive Line, in dem noch der Toter-Winkel-Assistent hinzukommt, öffnet sich die Heckklappe elektrisch und sensorgesteuert. Das Holz-Leder-Lenkrad, die Lederbezüge der Sitze, die elektrische Sitzlängenverstellung für den Fahrer und die Sitzbelüftung machen den Unterschied. Das Smartphone lässt sich in der Ladeschale zwischen den Vordersitzen elektrisch laden.

Instrumente Lexus ES Hybrid 300hLadeschale für das Smartphone im Lexus ES Hybrid 300hTacho im Sport Modus Lexus ES Hybrid 300h

Der F Sport geht es mit den von 17 auf 19 Zoll gewachsenen Rädern, den Sportsitzen, dem adaptiven Fahrwerk und den zusätzlichen Fahrmodi „S+“ und „Customize“ sportiver an. Die Ausstattung gewinnt mit dem beheizbaren Lederlenkrad, der 8-Zoll-Navi und den Matrix-LED-Scheinwerfern mit adaptivem Fernlichtassistenten.

Luxury Line sagt alles, worum es geht. Das 12,3-Zoll-Navigationssystem, das eindrucksvoll aufspielende Mark Levinson Soundsystem und der Fahrzeugschlüssel im Scheckkartenformat gehören genauso zur Serienausstattung wie das geniale 360-Grad-Rundumsichtsystem. Und gegen Aufpreis gehen hier die digitalen Rückspiegel mit an Bord – siehe oben.

Lexus ES Hybrid 300h Instrumente im Eco ModusSchaltpaddle im Lexus ES Hybrid 300hVerkehrszeichenerkennung im Lexus ES Hybrid 300h

Der Lexus ES als Business Edition nimmt dagegen die Wünsche von Langstrecklern in den Fokus. Inklusive sind hier: die beheizbaren Ledersitze mit einstellbarer Sitzflächenverlängerung, die Lendenwirbelstütze, die Sitzheizung/-belüftung, die Navi, die induktive Ladeschale fürs Smartphone, der Toter-Winkel-Assistent und die Querverkehrswarnung.

Und wie sicher fahren Mitfahrer im Lexus ES? Auch wenn noch niemand ein 6-km/h-Temposchild gesehen hat, das die Verkehrszeichenerkennung am Sraßenrand im Test zu erkennen glaubte, sehr sicher. Mit 5-Sterne-Sicherheit. Der Maximalwertung im Euro NCAP-Crashtest.

Lexus ES Hybrid 300h SeiteTaste EV Mode im Lexus ES Hybrid 300hHeckansicht Lexus ES Hybrid 300h

Was sagt der Autotester im Test über den Lexus ES?

Klappt das, mit 1,7 Tonnen Gewicht und 218 PS, ein dieselähnlicher Verbrauch? Lexus gibt für den ES 300h einen Verbrauch von 4,4 bis 4,6 Liter/100 km an. Das Sparprogramm ist alternativlos. Der Hybrid ist der einzige im Lexus ES angebotene Motor.

Der vom Lexus IS 300h bekannte Motor (Test Lexus IS 300h) kombiniert einen 181 PS starken Vierzylinder, der 221 Newtonmeter Drehmoment produziert, mit einem 143 PS starken Elektromotor, der 300 Nm beisteuert.

Die 218 PS des Gesamtsystems haben es im ES 300h relativ leicht. Der Lexus ES 300h überragt den Lexus IS 300h mit seiner stattlichen Länge von 4,98 Meter um 30 Zentimeter, wiegt aber mit 1.680 bis 1.740 Kilogramm statt 1.620 bis 1.720 Kilogramm kaum mehr.

Motor Lexus ES Hybrid 300hLED Multi Matrix Scheinwerfer Lexus ES Hybrid 300h

Der 2,5-Liter-Vierzylinder, der an eine stufenlose Automatik gekoppelt ist, hält sich im unteren und mittleren Drehbereich vornehm zurück. Nur bei kräftigem Gasgeben hört man mehr vom Antrieb.

Butterweich greift die Kraft, denn der Elektromotor unterstützt den Benziner ab der ersten Umdrehung mit dem vollen Drehmoment. Kultiviert und ruhig gleitet die ES Limousine durch die Landschaft. Aktiviert man den Sportmodus am linken Drehrad oberhalb der Instrumente, reagiert das Antriebsduo mit prompter Gasannahme und geschmeidiger Elastizität. In 8,9 Sekunden zeigt der Digitaltacho die 100. Bei 180 km/h wird abgeriegelt  – wie bei Volvo (Test Volvo S60 Recharge).

Schalter für den Eco und Sport Modus im Lexus ES Hybrid 300hFrontradar Lexus ES Hybrid 300hKamera Lexus ES Hybrid 300h

Ist der Pilot zu entspannt, durchlenkt der Lexus ES mit dem Spurhalteassistenten die Kurve auch in Eigenregie. Das klappt gut. Bei aktiviertem adaptiven Tempomat kann das System auf der Autobahn aber auch nerven, weil der Spurhalteassi bei nicht entscheidenden Lenkschlampereien penetrant immer wieder leicht an der Lenkung zerrt.

Und auch an die Bedienung muss man sich erst gewöhnen. Die Sprachsteuerung begreift im Test nicht sofort jede Stimme und die eigenen Finger nicht sofort das Touchpad. Hat man sich jedoch an das Pad gewöhnt, geht die Zeigefingerbedienung flott vonstatten.

Tempomat Tasten Lenkrad Lexus ES Hybrid 300hSitzbelüftung und Sitzheizung im Lexus ES Hybrid 300hBediensystem Touchpad Lexus ES Hybrid 300h

Genauso basisdemokratisch wie das Touchpad zwischen Fahrer- und Beifahrersitz ist der Öffnungsmechanismus des Ablagefachs dort. Das lässt sich mit zwei Tasten links und rechts vom Fach gleichberechtigt öffnen – durchdacht. So durchdacht wie der Mechanismus des Klappenfachs davor. Und auch bei den Schaltern und der Kunststoffqualität plappert man nicht nur von Hochwertigkeit, sondern man spürt sie.

Auch im Detail wirkt das überzeugend. Die elektrischen Fensterheber surren superleise nach oben. Warum der Antrieb so zurückgezogen leise arbeitet, kann man am Rand der Motorhaube an der effektiv dämpfenden Dichtung erahnen.

Radioschalter und Klimatasten im Lexus ES Hybrid 300hNavi nachts Lexus ES Hybrid 300h

Der Sitzkomfort ist groß. Die Sitzposition ist mit der elektrischen Sitz- und Lenkradverstellung schnell gefunden. Die 3-stufige Sitzheizung und 2-stufige Lenkradheizung sind im Winter ein Genuss.  Der ES auf Reisen. Sein Hybridantrieb arbeitet nicht nur sehr kultiviert, sondern auch herausragend sparsam.

Der ES Hybrid fährt im Gegensatz zu einem Plug-in-Hybrid, der in einem Zug rund 50 Kilometer rein elektrisch mit einer Akkuladung schafft (Test Volvo XC40 Recharge), nur zwei Kilometer elektrisch am Stück. Aber er fährt in der Stadt sehr häufig elektrisch;  erkennbar am Aufleuchten des „EV“-Symbols im Instrumentendisplay.

„EV“ heißt Sparflamme. Nach 1.000 Kilometern stand im Test eine „5,6“ auf dem Bordcomputer. Damit lag die Reichweite mit dem 50 Liter kleinen Tank im Test bei 830 Kilometer. Und der Verbrauch des Lexus ES 300h? Der Testverbrauch fiel mit 6,7 Liter/100 km brav aus. Es ist ein Verbrauch, der mit dem Verbrauch einer Fünf-Meter-Limousine mit Dieselmotor konkurriert.

Heck Lexus ES Hybrid 300h

Warum gerade den?

So Verbrauchswerte beeindrucken in dieser Größen- und Gewichtsklasse absolut. Und nicht nur der Verbrauch schont das Budget. Zum Preis von 49.400 Euro spart man im Vergleich zur elektrifizierten süddeutschen Business Class einige tausend Euro. Ist der komfortable und kultivierte Lexus ES 300h damit die sparsame Alternative aus Fernost? Am Ende des Tests: nur noch eine rhetorische Frage.

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Weitere Informationen zum Fahrzeug

https://www.lexus.de/

 

 

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