Fotos: automobil-magazin.de
Autotest
Toyota Land Cruiser im Test: Neue alte Welt
Was sagt der Autotester über den Toyota Land Cruiser?
Der Hochsitz spendiert Übersicht. Die Sichtschneise zwischen den zwei Hebungen der Motorhaube, die aufrecht stehenden A-Säulen, die an der Tür angebrachten Außenspiegel und die tief eingebauten Seitenscheiben tun der Sicht auf die Scholle ebenso gut.

Neue Land Cruiser-Welt
Auch die Rückfahrkamera-Reinigung und der „PVM“ sind echte Helfer. Der Panoramamonitor zeigt auf dem Zentralbildschirm nicht nur die Stellung der Reifen an, sondern macht die Karosse des Land Cruiser transparent. Durch das Tippen aufs Bild erhalte ich noch detailliertere Infos vom Fahrzeugumfeld. Zu aktivieren ist der PVM über den View-Schalter in der Mittelkonsole oder per Sprachsteuerung, bis zu einer Geschwindigkeit von 12 km/h.


Vor dem Fahrer spannt sich eine aus zwei digitalen 12,3-Zoll-Displays zusammensetzende Cockpitlandschaft auf. Die Fahranzeigen, Fahrzeugeinstellungen und das Infotainment sind übersichtlich arrangiert. Die Cloud-basierte Navigation mit Echtzeit-Verkehrsinfos weist den Weg. Nach einem „Hey Toyota“ tritt der fähige Sprachassistent in Aktion.



Die Schalter für die 3-stufige Sitzheizung und -kühlung und die Lenkradheizung finden sich unterhalb des Bildschirms. Neben den USB-C-Anschlüssen findet sich auch ein HDMI-Anschluss und hinten im Gepäckraum eine 220V-Steckdose.



Alte Land Cruiser-Welt
Hier muss nicht auf dem Touchscreen geforscht werden. Das Land Cruiser-Cockpit ist die schalterlose Moderne in Gegenrichtung. Der Weg über klassische Schalter ist im Geländebetrieb der richtige.


Auf der Mittelkonsole finden sich neben dem H4-L4-Schiebehebel auch die Taste für die Entrieglung der vorderen Stabis, deren Aktivierung den Federweg um 10 % erhöht, und der „Mode Select“-Drehschalter. In H4 sind „Schlamm“, „Sand“, „Schmutz“, „Tiefschnee“ und „Auto“ wählbar, in L4 „Schlamm“, „Sand“, „Felsen“ und „Auto“.

Verbesserungen
Der Toyota Land Cruiser baut auf einer soliden Leiterrahmenkonstruktion auf. Die lässt in Fahrt jetzt spürbar mehr Komfort zu. Die im Land Cruiser erstmals verbaute elektrische Servolenkung arbeitet direkter als im Vorgänger. Der J25 fühlt sich bei einer Vollbremsung vom Bremsgefühl verbindlicher an.
Die elektronisch gesteuerte Bremsanlage ist mit 340- und 335-Millimeter-Scheiben vorne und hinten gut bestückt. Der Land Cruiser liegt besser auf der Straße als der Vorgänger, der vom Fahrverhalten korpulenter wirkte und damit jeden Gedanken an sportliche Fahrweise sofort wegwischte (Test Toyota Land Cruiser). In schnellen Kurven neigt er sich zur Seite, mit vernehmlichem Walken der 18-Zöller, aber er geht besser durch die Kurve.

Seine Bestimmung ist eine andere. Der Land Cruiser ist ein Fahrzeug für die Sandkörner und Wüsten dieser Welt. In den Betonwüsten unserer Gegend wirkt er entschleunigend. Drängler hinter dem Fahrzeug verschwinden zwar nicht wie im Defender hinter dem Ersatzrad (Test Land Rover Defender 130), aber sie rutschen an den unteren Rand des Spiegels, sodass nur noch der Dachaufbau des hinterher fahrenden zu sehen ist. Weniger sehen, weniger Druck von hinten.
Gelassenheit
Das Fahrverhalten und der Dieselmotor des Land Cruiser animieren zur Gelassenheit. Nachdem sich der 2,8-Liter-Vierzylinder mit dem für echte Geländewagen typischen Schnaufen warm gemacht hat, säuselt er im Hintergrund. Nicht so leise wie ein Plug-in-Hybrid, aber durch zahlreiche Maßnahmen, von der Dämmung an den Dachsäulen bis zum Reifenprofil, leiser als zuvor.

3,5 Tonnen
Der kraftvolle Turbodiesel taugt als Zugpferd. Ab 1.600 Umdrehungen stehen 500 Nm Drehmoment und ab 3.000 U/min 205 PS Leistung an den vier Antriebsrädern an. Weil damit viel Zug und Schub möglich ist, dürfen gezogene Anhänger bis zu 3,5 Tonnen wiegen.
Überzeugender Automat
Die neue 8-Gang-Automatik, deren Bedienknauf gut in der Hand liegt, passt. Der Automat regelt das rauf- und runterschalten sehr gut. Mit der Tendenz zu niedrigen Drehzahlen. Wird der Gang gefühlt vom Automat ein Moment zu lang gehalten, lässt sich der Wechsel in die höhere Gangstufe leicht durch vom Gas gehen provozieren.
2,6 Tonnen hoher Verbrauch?
Echte Geländewagen verbrauchen. Wann geht der 80 Liter große Tank im 2.610 kg schweren Land Cruiser Diesel auf Grund? Bei konstant 90 km/h auf der Autobahn zwinge ich die Verbrauchsanzeige, die bei kaltem Motor bei 12,5 Liter stand, auf einen Minimalverbrauch von 7,1 Liter/100 km herunter. Am Ende des Tests steht eine „9,1“ auf der Verbrauchsanzeige. Die höchste im Test realisierte Reichweite mit einer Tankfüllung lag bei 713 km.
Konstruiert für ein langes Leben
Bei fast jeder gebuchten Wüstentour in Nordafrika sitzt man in einem Toyota Land Cruiser. Warum? Toyotas Gelände-Haudegen ist traditionell auf Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit getrimmt. Dies spiegelt sich auch in der von Toyota gewährten Garantiedauer wieder: 15 Jahre Garantie für bis zu 250.000 km Fahrleistung, wenn der Land Cruiser regelmäßig gewartet wird.

Warum gerade den?
Der Preis ist mit 84.000 Euro, die für den Toyota Land Cruiser Executive anzulegen sind, hoch. So hoch wie der Auftritt und die Qualitäten. Die Talente als Offroader kombiniert der Land Cruiser J25 eindrucksvoll mit zahlreichen Verbesserungen im Fahrverhalten, Antrieb, im Fahr- und Geräuschkomfort und in der Komfort- und Assistenzausstattung.
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