Test

Seat Leon Cupra R im Test: Dynamische 225 PS

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Seat Leon Cupra RAuch im Großhirn des Cupra-Piloten übermannt ab 2.500/min die Emotion die Ratio. Der R hängt sauber am Gas. Die Reaktionen des Turbomotors sind nicht ganz so spritzig wie die eines gut gemachten Saugers gleichen Hubraumvolumens, dafür umso vehementer. Das kurzwegige Getriebe ist die Eintrittskarte. Die Schaltanschlüsse sind gierig, die Wege des Sechsganggetriebes kurz. Der aggressiv pfeifende Lader macht brutal Druck. Der Vergleich mit der Gummizwille ist so alt wie hier treffend. Die Turbo-Explosion hat hier noch etwas Archaisches. Es geht schneller als man meint mit der Beschleunigung. 6,9 s von 0 auf 100 km/h, 200 km/h bei 5.000/min und es geht immer noch kraftvoll voran. Knapp vor 6.000/min atmet der R noch einmal kurz durch, bevor irgendwo nahe dem Tacho-Ende Motorleistung und Luftwiderstand einvernehmlich Frieden schließen. In Gegenrichtung ist der Spanier mit martialischer Felgen-Bremsscheiben-Optik, weit oben liegendem Pedaldruck und raschem Ansprechen ebenso ein Heißsporn. Für den bei Notwendigkeit unbarmherzigen Bremszugriff steht ein im Sport- und Rennwagenbereich geschätzter Name: Brembo.

Und auch sonst: Politisch korrekt geht anders als knapp 240 km/h Spitze, lediglich Euro 3 beim Abgas, wildes Traktionsstampfen an der Vorderachse selbst bei Trockenheit und ein Abfackeln der ESP-Leuchte bei voller Leistungsanforderung auf regennasser Fahrbahn – der Gasfuß verbleibt dann im ersten und zweiten Gang besser im oberen Drittel des Pedalwegs.

Das Dreispeichen-Lederlenkrad ist griffig, der sechsstufige Getriebeschalter ergonomisch auf Schalthöhe. In echtem WRC-Habitus sagt die eher schwer- als leichtgängige Lenkung mit roter Naht auf 360 Grad an, in welche Himmelsrichtung die Räder nun gerade deuten. Die Servos lassen den Piloten dabei spüren – und dies ist gut so –, was er tut: direkt einlenkend, informativ, mit ordentlichem Lenkwiderstand. Mit dem weit ausholenden Wendekreis lassen sich jedoch nachbarliche Mauern einreißen – die Last oder Lust Aufsehen erregender, eben mehr Radius bedürftiger 18-Zollräder.

Leon Cupra Test, Innenraum

Schon ein Blick auf die minimalistisch gummierten Niederquerschnittsreifen (225/40 R18 beim Testwagen, 225/45 R17 in der Serie) erledigt beinahe das Kapitel Komfort. Nur bei höherem Tempo lässt das Fahrwerk etwas Gnade walten. Ansonsten sprechen Belag und Fahrwerk zumeist eine gemeinsame Sprache: Gut ist, was hart macht. Aber mit dem sicheren Gefühl: Nur so harte Jungs wie der Cupra R kommen hinten auch wieder so souverän aus den Kurven hinaus. Neutrales Einlenken, kaum und wenn sehr spätes Schieben über die Fahrzeugenden und eine stoische Straßenlage – schon in der Basisvariante liegt der Leon gut, nun liegt er prächtig.

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