Fotos: automobil-magazin.de
Autotest
Polestar 3 Test: Gepolt auf SUV
Was sagt der Autotester im Test über den Polestar 3?
Schlüssel war mal. Den Polestar 3 öffne ich mit dem Smartphone oder indem ich die Key Card auf den Türgriff halt (vorne: Dort sitzt der Sensor). Dann lege ich die Karte oder das Smartphone auf die zentrale Fläche auf der Mittelkonsole, und der Polstar 3 ist startbereit.


490 Nm auf den Hinterbeinen
Lenkstockhebel nach unten auf D hebeln und los geht’s mit gummibandartigem Zug. Der Polestar 3 Long Range Single Motor rollt mit vielen Kilos an den Start. Genügt die Leistung bei 2.403 bis 2.470 kg Gewicht?

Sie genügt. 490 Nm Drehmoment schieben aus dem Stand. Über längere Strecken bleiben von den 220 kW Leistung gute 140 kW (190 PS). Die Leistung greift nicht so brutal und katapultartig, dass man sich den Nacken verrenkt, aber vehement. Ein gleich starker Benziner hat beim spontanen Zwischenspurt null Chancen, auch wenn die 7,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h es nicht erwarten lassen.


Kurve und Lernkurve
Der lange Radstand und das hohe Gewicht des Akkupacks zwischen den Achsen sorgen für eine souveräne Straßenlage. Kriechen auf „Aus“ und One-Pedal-Driving auf „Mittel“, und man fährt den Polestar 3 mit maximaler Rekuperationsleistung zumeist ohne Bremspedal. Die Lenkung auf „Fest“ gestellt, und sie arbeitet direkt und mit mehr Lenkwiderstand.


Die Lernkurve bei der Bedienung ist relativ steil. Die Shortcuts und die übersichtliche Menüstruktur erleichtern das Bedienen auf dem vertikalen 14,5-Zoll-Bildschirm. Das Öffnen des Handschuhfachs und das Einstellen von Lenkrad und Außenspiegeln per Touchscreen überzeugen auch am Ende des Tests nicht.

Den Touch raus?
Die Google-Navi mit Satellitenkarte, das 360-Grad-Rundumsichtsystem mit Aufsicht-, Front- und Heckkamerabild und die Sprachsteuerung gehören zu den überzeugendsten Systemen auf dem Markt. Der Touchscreen reagiert aber gelegentlich – etwa beim Öffnen der Heckklappe – erst nach mehrmaligem „Touch“.
Das Head-up-Display, inklusive im „Plus-Paket“, warnt eindringlich bei zu schneller Annäherung an den Vordermann auf der Frontscheibe und zeigt Tempolimits größer als im Cockpitdisplay an. Zu 100 % kann man sich nicht auf die Verkehrszeichenerkennung verlassen. An die unbeschrifteten Lenkradtasten muss man sich herantasten. Damit lässt sich die Navikarte aufs kleine 9-Zoll-Cockpitdisplay zaubern.


Aufladen und Verbrauch
Der Ladeanschluss sitzt am Polestar 3 hinten links. Ladesäulen rückwärts ansteuern ist da manchmal von Vorteil. Das Ladekabel wird nach dem Laden über den Touchscreen oder die Taste hinter der Ladeklappe entsichert.



Das Aufladen am DC-Lader gelingt in flotten 30 Minuten, wenn 250 kW pumpen, und bald mit 800-Volt-Technik noch acht Minuten flotter.
Die im Test erreichte Reichweite liegt mit einer Netto-Batterie-Kapazität von 106 kWh bei 410 bis 470 km. Zumeist zieht der Polestar 3 Long Range Single Motor im Test mehr als 20 kWh/100 km. Über eine Strecke von 11.000 km verbrauchte das SUV durchschnittlich 24,4 kWh. Mehr als im WLTP-Zyklus mit 17,6 bis 20,3 kWh/100 km.

Warum gerade den?
Der Preis von 79.100 Euro, der für den Polestar 3 Long Range Single Motor zu investieren ist, rückt eine andere Motorisierung ins Visier. Mit jeweils einem Motor an jeder Achse und etwas höherem Stromverbrauch ist die Reichweite im Long Range Dual Motor kürzer, aber das Kaliber ein anderes. Das aus dem Polestar 4 bekannte Mototorenduo mit agilen 489 PS Leistung und bulligen 840 Nm Drehmoment (Test Polestar 4) zwillt den Polestar 3 in 5,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Dass das SUV 210 statt 180 km/h läuft, 2,2 statt 1,5 Tonnen zieht, über eine Luftfederung verfügt und nur 2.500 Euro teuerer kommt, kann die Kaufentscheidung ebenso beeinflussen.
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