Test

Mini John Cooper Works Test: mini on the rocks

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Die Wiederbelebung eines historischen Geistes, in frechem Rot-Schwarz und mit 211 PS-Turbomotor – unbändige Vorfreude, die der Erinnerung stand hält? Test: Mini John Cooper Works.

Mini John Cooper Works Testbericht

John Lennon singt heute in Supermärkten, die Stones sind ein Altersheim auf Tour, die 68er von gestern die Spießer von morgen … Aber das Ding ist wahr. Auf der Autobahn krakeelt Little John über dicke Rohre, beim Gaswegnehmen vor der Kurve schmatzt er fett, von schlechtem Belag wird er mit Sportfahrwerk elend verprügelt.

Mit heftig von den Laderschaufeln an der Vorderachse abgeladenen Drehmomenten fackelt die DSC-Leuchte bei Nässe noch im 3. Gang. Die Vorderräder stampfen. Mit Winterreifen (Bridgestone Blizzak 205/45 R17) schiebt er vorne. Dann tanzt er um die Mitte, teilt etwas am Heck aus, und pegelt sich final am Kurvenausgang wieder ein.

Das klingt dramatisch, ist aber eigentlich nur schnell. Denn das Fahrwerk spricht dialektfrei, eine wunderbar direkte Sprache, die nur als Slang rüberkommt, wenn Fahrdynamik nicht kapiert wurde. Und selbst dann bügelt DSC den Überschwang locker weg. Wenn ihm ein Rest Menschenverstand die physikalische Chance dazu lässt.

Die Kraftübertragung wird gestört, wenn die Haftreibung abreißt – das sollte man beachten. Dann tanzt er sicher und friedfertig im Grenzbereich. Mit optionaler „sportlicher Fahrwerksabstimmung“ (200 €) kullert der Testwagen vom Bordstein und hoppelt angeregt über üblen Belag.

Mini John Cooper Works Test

Die Lenkung ist direkt, die Bremsanlage zackig (Scheibenformat: 316 mm x 22 mm / 280 mm x 10 mm), die Schaltung unmittelbar und die Kupplung heftig auf dem Sprung. Der 1,6 Liter-Turbo-Vierzylinder hat es auch faustdick hinter den Ohren: 280 Newtonmeter im Overboost schon bei 1.950, 211 PS bei 6.000/min, Literleistung: 132 PS/l, Leistungsgewicht: 5,7 kg/PS. Die Tachoskala reicht bis 260km/h – schade, dass gerade Winterreifen aufgezogen sind.

Bei jedem Gasstoß bollert es im 2-Rohr-Auspuff der Sportabgasanlage (Durchmesser: 85 mm) wie im alten Kompressor S. Dessen Unlust bei wenig Drehzahl ist Vergangenheit. Der Cooper S startet breitbeinig, bindet sich nun mit Turbo-push-up bei rund 2.500/min gehaltvoll ein und brennt bei 5.000/min nochmals mit Drehzahl nach.

Das Konzert hat man dabei fast permanent am Fuß. Dumm, dass der große Tacho mittig sitzt. Dumm, nicht nur weil man ihn dort schlechter sieht (die Geschwindigkeit ist auch digital im Drehzahlmesser einblendbar), sondern weil man ihn dort zu gut sieht – vom Beifahrersitz: Erbleichende Beifahrerinnen sind die Regel, nicht die Ausnahme.

Wer den Mini als Familienwagen nutzt, hat die Kinder wahrscheinlich zu früh rausgeschmissen. Die Vordersitze sind bequem, der linke Ellbogen verdammt nah an der Türverkleidung geparkt und der Seitenhalt ist streng hüftenbestimmt (d.h. mehr Hüfte = mehr Seitenhalt).

Im Fond gibt es lediglich zwei Alibiplätze. Die Beine kommen, weil der Mini Bayern II länger baut, besser unter als im BMW-Mini I, und auch die Füße klemmen nicht mehr klaustrophobisch unter dem Vordersitz. Das Steilheck sorgt in der dreckigen Jahreszeit oft für verschmutzte Hände, besorgt beim Parken jedoch den sauberen Überblick.

Mini John Cooper Works: Innenraum, interior

Für die Bedienung der ästhetischen Belüftung-Nebelscheinwerfer-Türverriegelung-Klaviatur bückt man sich weiterhin gern in die Tiefe. Allein die Kunststoffapplikationen an Drehzahlmesser, Ledervolant und im Bereich der Mittelkonsole erscheinen immer noch ein bisschen mini für Premium. Ein einziger Geistesblitz genügt auch nicht, um den Radioanschalter sofort zu finden.

Das Handschuhfach ist zwar groß, aber an Ablagen herrscht ansonsten Mangel. Die Ambiente-Nachtbeleuchtung (von Rot nach Blau dimmbar) kommt gut. Das Radio „MINI Boost CD“ auch. Es kostet aber extra (210 €, plus 470 für das MINI HiFi-Lautsprechersystem). Xenon auch (670 €). Die Klimaanlage auch (960 €). Die Preisliste ist 32 Seiten dick. Vor zwei Jahrzehnten reichte ein Din-A5-Blatt.

Der in jedem Mini stilechte Innenraum ist bis auf einige ins Auge springende Embleme (Schweller, Heck …) und schicke Interieuroberflächen (in „Piano Black“), die der Cooper S so nicht hat, angenehm schmucklos. Der Sport-Button schärft Lenkung, Gaspedal und Sound. Dass er nach jedem Neustart reaktiviert werden muss, steht wie die fehlenden Öl- und Wassertemperaturanzeigen im Widerspruch zur Sportphilosophie des John Cooper Works.

Mini John Cooper Works: 211 PS im Test

Trotzdem: Kein noch so historischer Mini, die wilden von der Monte mitbefragt, wieselte und ballerte mit mehr Temperament durch die spitzen Kehren. Spitze 238 km/h, Null auf 100 in 6,5 s und dazu ein ungemein transparentes Fahrwerk zum fröhlichen Kurven pflücken. Dieser Spaß wird zwar teuer erkauft (27.700 €), ist aber angesichts der Fahrleistungen irgendwie schon wieder preiswert. Was im Mini-Programm noch besser kommt? Ein John Cooper Works Cabrio – gerade präsentiert auf dem Genfer Autosalon 2009. (2009)

 

Weitere Informationen

https://www.mini.de

 

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