Autotest

Skoda Superb 2.5 V6 TDI Automatic Test: mehr Passat

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Das Fahrwerk ist einen Hauch straff, gesund fahraktiv, aber trotzdem komfortabel abgestimmt – sehr geglückt. Im Grenzbereich hält sich das ESP (Serie; inklusive Bremsassistent) sehr lange zurück, was für die gut austarierte Abstimmung spricht.

Gutmütiges Schieben über die Vorderräder und das helle Aufschreien der Pneus (Testwagen: Goodyear 225/45 R17) markieren territorial und akustisch die drohende Überschreitung der Fahrdynamikgrenzen. Und das ESP mahnt zum Einhalt, ehe fahrerisch Anspruchsvolleres auf den Fahrer zukommt.

Der Servolenkung gelingt der Spagat zwischen Sensibilität, Präzision und handfester Leichtigkeit. Der Pedaldruck des Bremspedals ist mehr fest und kurz als tief und weich, heißt schnelles Ansprechen und kein Suchen in der Tiefe nach dem richtigen Druckpunkt – Vertrauen bildende Maßnahmen ohne Bezug zu den auch in dieser Hinsicht nicht sonderlich erfreulichen alten Skoda-Tagen.

Diesen Tagen dürften nur wenige ernsthaft nachtrauern. Hinsichtlich Bedienlogik und Materialgüte ist der Tscheche heute ein niedersächsisches Halbblut.

Mit all den Dingen an Bord (Testwagen), die ein Autoleben soviel angenehmer und sicherer machen: Klimaautomatik, sechs Airbags, achtfach elektrisch verstellbare Vordersitze, Sitzheizung, Solarschiebedach, Bi-Xenonscheinwerfer oder beispielsweise das Regenschirmfach in der linken hinteren Tür (Serie ab Comfort). Vom Multifunktions-Lederlenkrad lassen sich Tempomat und Radio, das sich im laut arbeitenden Skoda S 120 noch regelmäßig einen dB(A)-Lautstärke-Kontest mit dem Heckmotor lieferte, geschmeidig einregeln.

Die Türöffner werden von LEDs erleuchtet. Praktisch bei Dunkelheit – früher im Skoda in ähnlicher Perfektion nur mit einer Taschenlampe zu realisieren.

Dafür, dass man dem Rücken mit einem Autositz grundsätzlich niemals etwas Gutes tut (zu tiefe Sitzposition), trägt die Sitzanlage im Superb dazu bei, das Beste daraus zu machen. Die Vordersitze sind straff gepolstert und offerieren einen guten Seitenhalt. Im Fond herrschen Platzverhältnisse in VW Phaeton-Dimension. Mit dem optionalen „Footboard“ wird der Superb zur Liegewiese.

Der Gepäckraum ist voluminös (462 l) und sehr tief. Da die Gepäckluke relativ zur Tiefe aber schmal ausfällt, taucht der Oberkörper, wenn es gilt etwas ganz hinten zu verstauen, sehr tief in den Kofferraum ein – ein Gefühl wie der Dackel im Fuchsbau.

Die aufnahmefreudige Breite, die ebene Ladefläche, die schmuck verchromte Ladekante und besonders die Verblendung der Schlossaufnahme im Gepäckraum (verhindert das Einklemmen von Kleidung) rücken beim Bepacken das Bild vom sorglosen Reisen wieder zurecht.

Bei Skoda weisen die Verkaufszahlen – im Gegenteil zum VW-Trend – nach oben. Wer schon Superb fährt, weiß warum: Da wo Skoda drauf steht, ist bei besserem Preis-Leistungsverhältnis zu guten Teilen auch VW drin. Wenn dies jedoch, wie damals, Schwindel mit dem Etikett sein soll, dann nimmt man diesen heute dankend in Kauf.

Was sich bei Skoda getan hat, offenbart in der Stille der Datenblätter auch ein historischer Gewichtsvergleich: 1977 wog eine Mercedes S-Klasse 1,6 Tonnen. Heute wiegt ein Skoda Superb sogar etwas mehr. Nun, Gewicht sagt nicht alles, aber doch schon sehr viel aus über den Fortschritt.

Ob es nun der Skoda Superb mit dem kraftvollen, aber manchmal unkultivierten 2,5 Liter-TDI oder mit dem harmonischeren, aber trinkfreudigen 2,8 Liter-V6 sein soll, entscheiden immer noch allein Herz oder Verstand – auch das ist neu bei Skoda: Früher gab es sie kaum, die Qual der Wahl. (2005)

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