Design
Autodesigner antworten: Murat Güler, Ford Chef Designer
Murat Güler verantwortet als Chef Designer das Design von Ford und hat damit seine Kinderwünsche zum Beruf gemacht. Einblicke in seine Arbeit.
Wie sind Sie Autodesigner geworden?
Habe irgendwann mit 10 oder 11 angefangen, Schulhefte mit Autos vollzumalen. Gleichzeitig habe ich jede Menge Modellautos zusammengebaut und getunt. Erst später habe ich von einem Lehrer auf meinem Gymansium gehört, dass der Beruf des Autmomobildesigners tatsächlich exisistiert. Danach habe ich dieses Ziel nie aus den Augen verloren.
Welche Kunstgattungen und -richtungen haben Sie beeinflusst?
Habe mich erst an der Uni mit Kunst befasst. Hat auf mich vom Design keinen großen Einfluss gehabt. Architektur, Mode und Produktdesign sind da eher Inspirationsquelle.
Welche Künstler haben Sie beeinflusst, beeinflussen Sie noch heute?
Eher Designer und Architekten, Dieter Rams, Philip Stark, Giugiaro, Frank Lloyd Wright.
Welches Autodesign war seiner Zeit voraus? Warum?
Es gibt Designs, die sich zu Ikonen entwickelt haben. Das ist faszinierend, weil ich nicht sicher bin, ob sich die Erschaffer damals dessen bewusst waren. Ein 911, ein Mustang und ein Mini sind irgendwie unsterblich.
Welche Autos der Vergangenheit und heute sind Ihre Lieblinge im Design? Warum?
Es gibt Autos, die Segmente begründen. Das finde ich extrem spannend. Meilensteine in dieser Hinsicht. Mercedes S-Klasse Symbol der Luxuslimo, BMW 3er Reihe kompakte Sportlimo, Porsche 911 und Ford Mustang Sportwagen, Ford F150 der Truck!
Wie viel Zeit vergeht vom ersten Entwurf bis zum finalen Design?
Die Entwicklungszeit hat sich in den letzten Jahren beschleunigt. Zwei Jahre sind die Norm, es kann aber mittlerweile bei Bedarf auch in der Hälfte der Zeit passieren.
Ihr schnellster Entwurf, aus dem ein Serienfahrzeug oder Concept Car entstand?
Schnellster Entwurf wie oben erwähnt von der Skizze zum fertigen Seriendesign in 11 Monaten – wird noch in diesem Jahr präsentiert.
Ihr bester Designentwurf? Warum?
Erster Ford Kuga, weil er damals einfach passte und für Ford viele neue Kundenschichten erschlossen hat. Neuer Ford Puma, weil er eine so starke Persönlichkeit besitzt und damit aus der Masse heraussticht.
Wo und wann kommt die beste, entscheidende Idee?
Bei mir meistens beim Zeichnen abends nach dem Ende der offiziellen Arbeitszeit.
Was ist zurzeit gute und schlechte „Automode“?
Negativ: auffallen um jeden Preis, z.B. mit dem größten Grill. Positiv: Rückbesinnung auf Aero-Effizienz bei Elektrofahrzeugen.
Warum, meinen Sie, ist ein leitender Autodesigner heute zumeist keine Frau?
Die meisten leitenden von Frauen besetzten Positionen finden sich im Color & Material Design. Ich kann mir nicht genau erklären, warum sich relative wenige Frauen für Exterior Design entscheiden. Während meines gesamten Studiums kann ich mich nur an eine Studentin im Automobildesign erinnern – aber es werden mehr.
Warum ist Autodesign oft nicht mutiger?
Autodesign ist Kunst, die hunderttausendfach in einer Fabrik gebaut und dem Kundengeschmack weltweit gefallen muss. Manchmal bleibt da wenig Platz für einen mutigen Entwurf. Am Ende geht es aber nicht darum, ob ein Design besonders mutig oder avantgardistisch ist, sondern wie gut sich das Fahrzeug über seinen Lebenszyklus verkauft und ob das Design über diesen Produktzyklus bis zum Ende noch frisch bleibt.
Was zerstört einen guten Designentwurf?
Design by Comitee – wenn sich zu viele Meinungen einmischen und sich der Urentwurf nicht mehr zurückverfolgen lässt.
Wie wirkt sich die Elektrifizierung des Antriebsstrangs aufs Design aus?
Elektrifizierung sollte nichts daran ändern, dass Autos mit Design weiterhin Emotionen schüren müssen. Der große Faktor ist aber die Aerodynamik. Bei Verbrennern konnte man noch Kompromisse zu Gunsten des Designs machen – jetzt muss sich das Exteriordesign unterordnen.
Ihr Tipp für einen zukünftigen Autodesigner?
Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit.
Darf er Sie etwas fragen?
Kontakt über: Monika Wagener: mwagener@ford.com
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