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Mercedes E300 BlueTEC Hybrid Test

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Große Limousine mit Kompaktwagenverbrauch? Der Mercedes Diesel Hybrid gibt gute Antworten – Test Mercedes E300 BlueTEC Hybrid.

Mercedes E-Klasse Hybrid Test

Die Rolle des innovativsten Dieselmotor in der E-Klasse übernimmt der Diesel-Hybrid im E300 BlueTEC Hybrid, eine selten anzutreffende Kombination aus 2,1 Liter Vierzylinder-Diesel und Elektromotor.

Mit einer Systemleistung von 231 PS und 750 Newtonmeter Drehmoment liefert das System viel, ohne viel zu nehmen: Lediglich 4,1 Liter Dieselkraftstoff entschwinden alle 100 Kilometer dem Tank, bei einem CO2-Ausstoß von 107 g/km. Soviel zur Theorie.

Mercedes E300 Hybrid: Automatik, Lenkradschaltung

Und die Praxis? Fängt schon mal gut an. Am Start in Stuttgart-Möhringen zeigt der Bordcomputer mit vollem Tank „1.200“ Kilometer Reichweite.

Nach hohem Stadt- und Kurzstreckenanteil steht nach dem nächsten Volltanken eine „1.038“ auf dem Bordcomputer und nach mit wenig Drehzahl und gelassenem Gasfuß zurückgelegten 200 km sogar noch mehr als an der Tanke: „1.051“ Kilometer – Lehre statt Leere: Der Gasfuß bestimmt im E-Klasse Hybrid extrem die Musik.

Das Gefühl vom Mercedes Fahren stellt sich schnell ein. Nicht wegen der Handbremse am Fuß, dem Sitz einstellen an der Türverkleidung, sondern erst einmal wegen der soliden Straßenlage – Typ: große Limousine und entsprechend komfortabel. Auch in der Hybrid-Variante.

Mercedes E300 Hybrid: Innenraum

Vier Fahrwerksauslegungen werden offeriert. Das in der Version Elegance serienmäßige „Direct Control“-Fahrwerk, ein um 15 Millimeter tiefer gelegtes im Avantgarde und die „Airmatic“-Luftfederung im 408 PS leistenden E500.

Das T-Modell, die Kombivariante, ist an der Hinterachse mit einer Luftfederung und Niveauregulierung ausgerüstet und alle E-Modelle mit der elektromechanischen Direktlenkung, die mit Ihrer zwischen Direktheit und Komfort wohl balancierten Abstimmung auch den Eindruck hinterlässt: Wer Perfektion erleben will, der fährt hier gerade mit ihr spazieren. Was mit Sicherheit auch für die Sicherheit gilt.

Sicherheit aus Tradition, Aufpreispolitik mit Tradition. Der permanente Allradantrieb ist genauso ein Extra wie viele der Assistenzsysteme. Diese erkennen dank neuer Sensoren und der räumlichen Sicht der Stereo-Kamera nun auch den Querverkehr und Fußgänger, Überhol- und Einfahrverbote (Verkehrszeichenerkennung) oder drohende Heckkollisionen („Pre Safe“).

Dass der Spurhalteassistent beim kurzen Überschreiten der Mittelmarkierung selbsttätig heftig abbremst, kann den Fahrer, der ohne erkennbaren Gefahrenmoment eine Fahrbahnlinie überschritten hat, schon erschrecken – was nicht ganz im Sinn der Sache ist.

Das warnende Vibrieren in der Lenkung, dass das System ebenfalls beherrscht, wird als angenehmer empfunden, weil es den Fahrer weniger dominiert.

Mercedes E300 Hybrid Test: Parken

Perfektions-Highlight „360° Kamera“ –  Zwar ist die E-Klasse mit den relativ schmalen C-Säulen so übersichtlich, wie es eine 4,90 Meter-Limousine mit geräumigem Kofferraumanbau (Volumen: 505 Liter) nur sein kann, aber das Panorama, das die Kamera nicht nur vom Rückraum, sondern auch vom Fahrzeugvorfeld einfängt, ist eindrucksvoll und in engen Parklücken wirklich praktisch.

Das Facelift hat dem E gut getan. Zwei Gesichter hat Daimlers E-Klasse. Die Basis und der Elegance beginnen mit dem klassischen Mercedes-Grill und dem Stern auf der Motorhaube. Der Avantgarde trägt dagegen den Sportkühler mit einem Zentralstern.

Die Scheinwerfer mit LED-Abblend- und Tagfahrlicht sind mit ihren zackigen Lichtleisten nun schwer auf Wiedererkennung aus. Die seitlich von der Fondtür bis zu den Heckleuchten verlaufende „Charakterlinie“ endet nicht mehr im Barock. Damit sind die bauchigen hinteren Kotflügel Geschichte – gut so. Auch der Frontpartie ist das 2013er Facelift gut bekommen. Einziger Nachteil der dynamischen Tiefe: Mit dem Frontspoiler setzt man an steilen Rampen oder hohen Bordsteinen schneller auf.

Mercedes E-Klasse Hybrid: CockpitMercedes E300 Hybrid im Test: Sitze

Auch das Interieur macht den Unterschied zum Vormodell. Ein zweiteiliges Zierteil aus Holz oder Alu verläuft nun von links nach rechts auf voller Instrumententafelbreite. Im Kombiinstrument sitzen die Anzeigen in drei Tuben. Der zentrale Monitor setzt auf Flat-Frame-Optik. Die gediegene Uhr und die hochwertigen Stellräder der Luftzufuhr machen Eindruck.

Heckscheibenheizung und Sitzheizung arbeiten ausgesprochen geschwind. Schwäbische Bedienklarheit dominiert, trotzdem würde man sich die Ziffernblätter wie früher wünschen: Weiß auf Schwarz. Neu in der E-Klasse ist der „Hands Free Access “, also der schlüssellose Zugang. Damit lässt sich die Kofferraumhaube berührungslos durch eine Fußbewegung unterhalb des Stoßfängers öffnen – praktisch.

Und die Praxis mit dem Hyridmotor? Der Kaltstart und höhere Drehzahlen geben der Erwartung im E300 BlueTEC Hybrid einen Dämpfer. Fahre ich gerade Taxi? Die deutliche Geräuschdifferenz zwischen Diesel- und Elektromotor und das Zusammenspiel von D und E wirken anfangs nicht harmonisch.

Anfangs, denn einen Diesel Hybrid fährt man anders. Mit niedriger Drehzahl und sanftem Gasfuß. Auf der Autobahn tritt das leicht angeraute Motorgeräusch dann auch hinter den Wind- und Abrollgeräuschen zurück. Dauernde Elastizität fährt, kanalisiert von der bekannt guten Siebengang-Automatik am Lenkstockhebel, mit: Der Elektromotor ist sofort bei der Sache, der Diesel kommt sehr gut aus niedrigen Drehzahlen.

Mercedes E Hybrid: Kofferraum, trunk

Wohngebiete durchschleicht der Mercedes Hybrid, der auf der Autobahn auch segeln geht, rein elektrisch. Das Zusatzinstrument erweist sich dabei als hilfreich: Bleibt dessen Zeiger vor der „Max“-Markierung, geht es rein elektrisch voran, überschreitet er sie, schaltet sich der Dieselmotor automatisch zu.

Fahrten auf der Landstraße und in der Stadt begleitet zumeist ein ausgesprochen niedriges Drehzahlniveau. Oft im Niedrigpulsbereich von 1.000 Umdrehungen. Das entspannt nicht nur den Fahrer, sondern auch den Verbrauch.

Viel Geld fürs Auto, aber auch viel Auto fürs Geld. Sind mindestens 52.700 Euro investiert, spart man auch. Der Hybrid Diesel zählt heute noch zu den seltenen Antriebsvarianten. Das treibt – teurer Dieselmotor, zusätzlicher Elektromotor samt Akku – den Preis. Denkt man.

Tatsächlich ist der technisch aufwendige E300 BlueTEC Hybrid nur einige Hunderter teurer als der E300 BlueTec mit dem 231 PS starken V6-Dieselmotor (52.200 Euro).

Mercedes E300 Hybrid Test

Und mit dem Hybridensemble wird die große Limousine tatsächlich vom Verbrauch zum Kompaktwagen. 7,1 Liter Diesel schlürfte der Hybrid. Ein eindrucksvolles Ergebnis. Für eine samt Extras rund 1,9 Tonnen schwere Limousine, mit der sich mit 242 Km/h reisen lässt und die in 7,5 Sekunden auf 100 ist. Der bullige E300 BlueTEC ist flotter und sparsam. Egal jedoch, wofür man sich entscheidet, es ist eine gute Entscheidung.

 

Weitere Informationen

https://www.mercedes-benz.de

 

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