
Autotest
BMW 740d xDrive Test: Auf Wolke 7
Was sagt der Autotester im Test über den BMW 740d xDrive?
Der BMW 7er ist seit 1977 und sieben Generationen Oberklasse, aber laufruhiger und komfortabler ging es noch nie in der bayerischen Oberklasselimousine voran. Wer zusteigt, erhält das Maximum an Diesellaufkultur und Moderne.
Analog war einmal
Das groß auf die Frontscheibe projizierende Head-up-Display sollte man sich immer gönnen. Die Instrumente zeigen im Curved-Display-Cockpit digital an. Die „Interaction Bar“ sitzt in der Mitte des Armaturenbretts, unterhalb des zentralen Touchscreens.
Die farbenfroh leuchtende Leiste bedient den Spieltrieb mit ihrem, auch aus dem Fond einstellbaren Farbtheater. Aber nicht nur das. Im Test verhindert sie durch ihren warnenden Farbenwechsel den Ausstieg vor einem Radfahrer. Megahilfreich und eine Kollision vermeidend. Einmal braucht man im Test jedoch Hilfe an der Leiste. Es ist nicht mein erstes Handschuhfach, aber das erste, das ich nicht geöffnet kriege. Hilfe leistet der Sprachassistent. Mit einer kleinen Einweisung: Die Schaltfläche fürs Handschuhfach findet sich auf der farbenfroh strahlenden Leiste.
Mit dem Sprachassistenten gelingt neben dem elektrischen Tür öffnen auch das Öffnen der Seitenscheiben, das Regeln des Fahrtempos und die Abstandseinhaltung im Tempomatbetrieb. Kein 7er verstand einen je zuvor besser. Was verstanden wurde, sieht man auf der rechten Seite des Curved Display. Trefferquote im Test: gefühlt 99 %.
Auf Wolke 7: Fahrwerk & Fahrverhalten
Und erst der Komfort! Schweben, Watte, phantastisch. Eine Federung aus einer anderen Welt. Oder anders formuliert: Ein neues Gefühl, die Spurrillen zu hören, aber kaum zu spüren. Die Zweiachsenluftfederung sorgt wie der lange Radstand von 3,22 Meter für einen erhabenen Federungs- und Fahrkomfort. Die Luftverteilung an den Rädern gleicht ungleichmäßige Beladung aus. Der Wankausgleich sorgt für Ruhe im Karosserieaufbau.
Schnelle Kurven sind kein Sperrgebiet, sondern mögliches Revier. Die Verstrebungen im Motorraum sorgen für einen steifen Vorderwagen und verbessern das Einlenken. Im Sportmodus und bei Geschwindigkeiten über 120 km/h senkt sich die Karosserie leicht ab. Die präzise, fein rückmeldende und die Hinterräder mit bis zu vier Grad mitlenken lassende Allradlenkung gehört auch im 7er zu den Einkaufstipps. Sie reduziert den Wendekreis und verbessert das Handling enorm.
Rudolfs Stolz: der Diesel
Den 3,0-Liter-Reihensechszylinder von BMW hat man als Diesel schon seit Jahrzehnten am Gasfuß und nach jeder Überarbeitung überzeugt er mehr. Der kultiviert arbeitende Motor und die formidable 8-Gang-Automatik streicheln das Drehmoment nur. Die Dämmlage ist höchst effektiv. Umwelt- und Fahrgeräusche verlaufen weitgehend im Hintergrund. Eine Laufruhe nicht von dieser Welt, in einer der komfortabelsten Luxuslimousinen von dieser Welt.
Die Kraft entfaltet sich dezent und trotzdem massiv. Erst druckvoll, dann eindrucksvoll. Die 670 Nm Drehmoment haben Hubraum- und Laderwucht. Und wuchten die 2,3 Tonnen in nur 5,8 Sekunden aus der Statik auf Tempo 100.
Nur bei Vollgas, wenn die 299 PS die 2.255 kg nach vorne schuften, spürt man das hohe Gewicht. Ansonsten säuselt der große Diesel nur tief, bassig und dezent das Lied vom großen Motor im großen Auto. Bei einer Geschwindigkeit von 180 km/h dreht er gerade mal um die 2.250 U/min. Bei 250 km/h wird elektronisch abgeregelt.
Ohne verheerende Auswirkungen wie in einem Benziner im gleichen Moment. Die Motorenwerker aus München versprechen einen Durchschnittsverbrauch von 6,1 bis 6,8 Liter Diesel im WLTP-Zyklus. Was wird daraus im Test?
Gute Sparanlagen: im 740d
Die Anlagen dafür, dass sich der Verbrauch in Grenzen hält, sind im 740d besser denn je. Das bewies der Dreiliterdiesel bereits im Test des BMW 4er (Test BMW 430d Cabrio). Mit der Fähigkeit zur Bremsenergierückgewinnung und zum Segeln ist der 740d xDrive sparbegabt. Das System passt die Stärke der Bremsenergierückgewinnung situativ an. Im Test fuhren wir noch keine Motor-Getriebe-Kombination, die beim Ausrollen vor der Ampel so gefühlvoll zurückschaltete und rekuperierte wie in diesem 740d.
Vor Kurven ist das Rekuperieren provozierbar. Durch leichtes Antippen des Bremspedals. In Kurven verkneift sich der BMW 740d, um in keine Lastwechsel zu geraten, weise die Rekuperation.
Und der Verbrauch im Test? Zu Beginn des Tests prognostiziert der Bordcomputer des 740d xDrive eine Reichweite von 1.180 km. Wow! Das entspricht ungefähr der Distanz Frankfurt am Main – Rom. Im Test genügen die 78 Liter des Tanks für 1.040 km Strecke. Damit steckt die absolute Freiheit im Tank und echte Sparsamkeit im Konzept. Eine Oberklasselimousine mit über fünf Meter Länge, zwei Tonnen Gewicht, kraftvollem Antrieb und einem Praxisverbrauch von 7,5 Liter/100 km ist etwas besonderes.
Der 7er, der im BMW-Werk Dingolfing vom Band läuft, besitzt als 740d xDrive beste Sparanlagen. Sparen kostet nur viel Geld. Die 740d-Initialkosten sind mit 116.000 Euro gehoben. Oben ist oben. Hohes Niveau bedeutet gehobenes Preisniveau. Kann man es sich gönnen, fährt man High-end. Aber sparsam. Die Politik und der Zeitgeist gehen dem Ölbrenner ans Leder. Im BMW 740d xDrive, der auf langen Touren weniger verbraucht als jede 7er Limousinen mit Benzinmotor, versteht man es nicht wirklich.
Warum gerade den?
Was soll man der siebten 7er Generation im Test vorwerfen? Dass die von den elektrischen Hebern nach oben gelifteten Scheiben etwas lahm nach oben surren? Den ausladenden Nierengrill? Die grelle Interieur-Illumination? Die gelegentlich überengagierte Bedienmoderne? Kritik ändert nichts grundsätzlich.
Der Satz vom „besten Auto der Welt“ stammt von einem britischen Hersteller. Auch wenn Bayern und England Wasser und noch einiges andere trennt, darf man das, auch weil der Hersteller zum BMW-Konzern gehört, im BMW 7er der siebten Generation als Zeichen deuten.
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